Innenwiderstand-Bewertung

Bewerten Sie den Gesundheitszustand Ihrer Batterie anhand von DC- und AC-Innenwiderstandsmessungen mit automatischer Temperaturkorrektur und SOH-Score.

So funktioniert die Innenwiderstandsbewertung

Der Innenwiderstand ist ein zentraler Indikator für den Gesundheitszustand (State of Health, SOH) einer Batterie. Mit zunehmender Alterung steigt der Widerstand durch SEI-Schichtwachstum, Elektrodendelamination und Elektrolytzersetzung. Dieser Rechner bewertet den Batteriezustand anhand von DC-Innenwiderstand und AC-Impedanz.

DC-Innenwiderstandsmessung (Pulsmethode)

Die DC-Methode verwendet einen kurzen Strompuls (typisch 1–10 s) und misst den resultierenden Spannungsabfall. Der Widerstand berechnet sich nach dem Ohmschen Gesetz:

RDC = ΔV / ΔI ΔV = Spannungsänderung (mV), ΔI = Stromänderung (A). Erfasst ohmsche + Polarisationswiderstände.

Die DC-Messung erfasst alle Widerstandsanteile: ohmsche Widerstände (Elektrolyt, Ableiter, Kontakte), Ladungstransferwiderstände und zu einem gewissen Grad Diffusionswiderstände. Daher ist RDC stets höher als RAC.

AC-Impedanzmessung (1 kHz)

Bei der AC-Messung wird ein kleiner Wechselstrom (typisch 1 kHz) angelegt. Bei dieser hohen Frequenz werden die kapazitiven Doppelschicht- und Diffusionsanteile kurzgeschlossen — es bleibt primär der ohmsche Widerstand:

RAC = |Z(f = 1 kHz)| Betrag der komplexen Impedanz bei 1 kHz. Erfasst primär Rohm (Elektrolyt + Kontakte).

Temperaturkorrektur

Der Innenwiderstand ist stark temperaturabhängig. Für einen fairen Vergleich mit dem Referenzwert bei 25 °C wird der gemessene Widerstand korrigiert:

R25°C = Rmess / [1 + β · (T − 25)] β = Temperaturkoeffizient (Li-Ion: 0,004/°C; Blei-Säure: 0,006/°C)

Randles-Ersatzschaltbild

Das Randles-Modell beschreibt die elektrochemische Impedanz einer Batterie als Kombination von ohmschen, kapazitiven und diffusiven Elementen:

Rohm Elektrolyt Rct Ladungstransfer Cdl Doppelschicht ZW Warburg (Diffusion) +

Abb. 1: Randles-Ersatzschaltbild — Rohm (ohmisch) in Serie mit der Parallelschaltung aus Rct (Ladungstransfer), Cdl (Doppelschichtkapazität) und ZW (Warburg-Diffusion).

SOH-Korrelation

Der Zusammenhang zwischen Innenwiderstandsanstieg und Kapazitätsverlust folgt näherungsweise:

  • R/R0 = 1,0–1,2: SOH ≥ 80 % — Batterie in gutem Zustand
  • R/R0 = 1,2–1,5: SOH 60–80 % — Leistungsminderung spürbar
  • R/R0 = 1,5–2,0: SOH 30–60 % — Austausch planen
  • R/R0 > 2,0: SOH < 30 % — Sofortiger Austausch empfohlen

Fachbegriffe

Innenwiderstand (Ri)
Gesamtwiderstand einer Zelle, umfasst ohmsche, Polarisations- und Diffusionsanteile. Gemessen in mΩ.
AC-Impedanz
Betrag der komplexen Impedanz bei einer bestimmten Frequenz (Standard: 1 kHz). Hauptsächlich ohmischer Anteil.
State of Health (SOH)
Gesundheitszustand der Batterie in % der Nennkapazität. SOH 100 % = Neuzustand; EOL typisch bei 80 %.
EIS
Elektrochemische Impedanzspektroskopie — frequenzabhängige Impedanzmessung (typisch 10 mHz–100 kHz) zur Separation der Widerstandsanteile.
Randles-Modell
Ersatzschaltbild mit Rohm + (Rct ‖ Cdl) + ZW. Standardmodell für elektrochemische Impedanzanalyse.
SEI-Schicht
Solid Electrolyte Interphase — passive Schicht an der Anode. Wächst mit dem Alter und erhöht den Innenwiderstand.
Polarisationswiderstand
Widerstand durch elektrochemische Reaktionskinetik (Ladungstransfer) an den Elektrodenoberflächen.
Warburg-Impedanz (ZW)
Diffusionsabhängiger Impedanzanteil, der bei niedrigen Frequenzen dominiert. Erscheint als 45°-Linie im Nyquist-Diagramm.

Normen & Standards

Norm Bezeichnung Relevanz
IEC 62660-1:2018 Secondary lithium-ion cells for EV — Performance testing Definiert DC-Puls- und AC-Impedanzmessverfahren bei 1 kHz für Li-Ion-EV-Zellen
IEEE 1188:2005 Recommended Practice for Maintenance, Testing of VRLA Batteries Referenz für Innenwiderstandsmessung und SOH-Bewertung stationärer Bleibatterien
DIN EN 61436:1998 Sekundäre Zellen — Innenwiderstandsmessung AC-Methode bei 1 kHz für sekundäre Zellen und Batterien
IEC 62660-2:2018 Secondary lithium-ion cells for EV — Reliability and abuse testing Innenwiderstandsanstieg als Kriterium für Zuverlässigkeits-End-of-Life
VDI 2095 Blatt 1 Stationäre Blei-Säure-Batterien — Wartung und Prüfung Deutsche Richtlinie für regelmäßige Innenwiderstandsprüfung in USV- und Notstromsystemen

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen DC- und AC-Innenwiderstand?

Der DC-Innenwiderstand wird mit einem Gleichstrompuls gemessen und erfasst alle Widerstandsanteile: ohmsche, Polarisations- und Diffusionswiderstände. Der AC-Widerstand (bei 1 kHz) erfasst primär den ohmschen Anteil. Typischerweise ist DC-IR 1,2–2,5× höher als AC-IR bei Li-Ion.

Wie genau ist die SOH-Abschätzung über den Innenwiderstand?

Die Widerstandsmethode ist ein zuverlässiger Indikator für die Batteriegesundheit, wobei die Genauigkeit von ±5–10% für den Kapazitätsschätzwert typisch ist. Für präzisere SOH-Bestimmungen wird ein vollständiger Kapazitätstest empfohlen.

Warum muss die Temperatur bei der Messung berücksichtigt werden?

Der Innenwiderstand ist temperaturabhängig (ca. 0,3–0,6% pro °C bei Li-Ion). Eine Messung bei 10°C zeigt einen höheren Widerstand als bei 25°C — ohne Korrektur würde die Batterie fälschlicherweise als stärker gealtert bewertet.

Wann sollte eine Batterie ersetzt werden?

Als Faustregel: Wenn der Innenwiderstand das 2-fache des Neuzustands erreicht, ist die nutzbare Kapazität auf ca. 20% gesunken. Die meisten Anwendungen definieren End-of-Life bei 80% Restkapazität, was einem Widerstandsanstieg von ca. 25% entspricht.

Was bedeutet ein ungewöhnlich hohes DC/AC-Verhältnis?

Ein DC/AC-Verhältnis über dem Normalbereich (z.B. >2,5 bei Li-Ion) deutet auf erhöhte Elektrodenalterung hin. Die Polarisationswiderstände nehmen durch SEI-Schichtwachstum und Kontaktverschlechterung stärker zu als der ohmsche Widerstand.

Bei welcher Frequenz wird der AC-Innenwiderstand gemessen?

Standardmäßig wird die AC-Impedanz bei 1 kHz gemessen (IEC 62660-1). Bei dieser Frequenz werden hauptsächlich die ohmschen Anteile (Elektrolyt, Kontaktwiderstände, Ableiter) erfasst. Für eine vollständige Impedanzspektroskopie (EIS) wird typischerweise von 10 mHz bis 100 kHz gemessen — damit lassen sich auch Ladungstransfer- und Diffusionswiderstände separieren.

Wie verändert sich der Innenwiderstand über die Lebensdauer?

Der Innenwiderstand steigt mit dem Alter exponentiell an: In den ersten 500 Zyklen moderat (ca. +10–20 %), dann beschleunigt ab ca. 70 % Restkapazität. Die Hauptursachen sind SEI-Schichtwachstum (kalendarische Alterung), Lithium-Plating bei niedrigen Temperaturen und Kontaktverlust durch mechanische Degradation der Elektroden.

Welche Messgeräte eignen sich für die Innenwiderstandsmessung?

Für DC-Messungen: Sourcing-Messgeräte (SMU) wie Keithley 2400 oder programmierbare Lasten mit Pulsprotokoll. Für AC/EIS: spezielle Batterieimpedanz-Analysatoren (z. B. Gamry, BioLogic) oder LCR-Meter bei 1 kHz. Einfache Multimeter mit mΩ-Bereich liefern nur eine Näherung und erfassen keine Polarisationsanteile.